Begriffe und Methoden

Aromatherapie

Aromatherapie nutzt die Eigenschaften ätherischer Öle, die je nach Zusammensetzung und Anwendung unterschiedliche Wirkungen entfalten können. Sie werden unter anderem inhaliert oder äußerlich angewendet.

Bei der Aromatherapie werden ätherische Öle aufgrund ihrer unterschiedlichen Eigenschaften und Wirkungen eingesetzt. Viele besitzen eine starke antimikrobielle Wirkung, insbesondere auf Viren, Bakterien und Pilze. Zudem zeigen zahlreiche Öle antioxidative Eigenschaften. Ihre Anwendung erfolgt je nach Öl und gewünschter Wirkung beispielsweise durch Inhalation, äußerliche Anwendung, Massage oder andere Anwendungsformen.

Methode und Anwendung

Viele ätherische Öle besitzen eine starke antimikrobielle Wirkung. Die keimtötende Wirkung einzelner Extrakte kann im Labor mithilfe eines sogenannten Aromatogramms untersucht werden. Dabei werden Krankheitserreger beispielsweise aus Harn, Ejakulat, Vaginalsekret oder Wundabstrichen gezüchtet und verschiedene ätherische Öle aufgebracht. Ähnlich wie beim Antibiogramm kann dadurch die Hemmung des Keimwachstums beurteilt werden. Auf diese Weise können jene Öle ermittelt werden, die gegen die jeweiligen Erreger am wirksamsten sind.

Viele dieser Substanzen besitzen außerdem antioxidative Eigenschaften. Untersuchungen zeigten, dass bestimmte Öle einige Symptome des Alterungsprozesses bei Tieren günstig beeinflussen können.

Bei schmerzhaften und geschwollenen Läsionen können Kampfer, Terebinth-Pistazie und deren Inhaltsstoffe bei äußerlicher Anwendung die Durchblutung erhöhen. Auch die Inhalation wird eingesetzt. Eucalyptus globulus, Latschenkiefer und Kampfer können dabei gegen Hustenreiz und zähes Sekret in den tiefen Atemwegen eingesetzt werden.

Einige ätherische Öle zeigten in ersten klinischen Studien Einsatzmöglichkeiten bei Schlafstörungen und besitzen sedierende Eigenschaften. Fenchel, Dill und Kümmel sowie Pfefferminze werden seit vielen Jahren bei Dyspepsie, Meteorismus und anderen Verdauungsstörungen angewandt.

Die Aufnahme kann über verschiedene Wege erfolgen. Besonders leicht gelangen die Inhaltsstoffe durch Inhalation über die Lunge in den Körper. Beim Riechen von Duftstoffen erreichen Signale des Nervus olfactorius das Mittelhirn und können dort unter anderem das limbische System und den Hypothalamus beeinflussen. Diese Strukturen sind an der Regulation des vegetativen Nervensystems beteiligt.

Viele Duftstoffe können die Stimmung beeinflussen, Erinnerungen und Gefühle hervorrufen und dadurch das Wohlbefinden verbessern. Sedierende Öle oder einzelne Duftstoffe können bestimmte Hirnströme senken, während stimulierende Öle diese anheben können. Die Inhalation kann außerdem den zerebralen Blutfluss und damit zerebrale Regulationssysteme beeinflussen.

Bestimmte Öle besitzen blutdruckregulierende Eigenschaften. Narde, Ylang Ylang und Muskatnuss können einen erhöhten Blutdruck senken. Pfefferminze wird in Kapselform bei entzündlichen Darmerkrankungen verwendet. Pinen, Limonen, Camphen und Borneol werden beispielsweise bei Gallen- und Uretersteinen eingesetzt.

Äußerlich angewandte Öle wie Teebaum können Akne und Tinea pedis verbessern. Dabei werden die pharmakologischen Eigenschaften der verwendeten Substanzen genutzt und nicht der Wirkungsweg über das Riechen.

Viele Menschen, die eine Anwendung ätherischer Öle suchen, leiden unter stressbedingten Beschwerden und Krankheiten. Die entspannenden Eigenschaften und unterschiedlichen Anwendungsmöglichkeiten können dabei zu einer Erleichterung der Beschwerden beitragen.

Rezeptur-Beispiele
(Rezepturen werden so oder in ähnlicher Art und Weise im Otto Wagner Spital, Wien, mit Erfolg eingesetzt.)

Pneumonieprophylaxe (Angstfrei-Mischung und „Atemstimulierende Einreibung“ (ASE) 1%)

5 Tropfen Lavendel (Lavandula angustifolia)
5 Tropfen Litsea (Litsea cubeba)
5 Tropfen Rosenholz (Aniba rosaeodora)
5 Tropfen Atlaszeder (Cedrus atlantica)
- in 100 ml Olivenöl oder Sesamöl
Anwendung: Einreibung oder sanfte Massage, 1 bis 2x täglich.

Desinfizierendes Raumspray

3 Tropfen Zitroneneukalyptus (Eucalyptus citriodora)
1 Tropfen Pfefferminze (Mentha x piperita)
2 Tropfen Kiefer (Pinus sylvestris)
1 Tropfen Teebaum (Melaleuca alternifolia)
2 Tropfen Bergamotte (Citrus bergamia)
- in 150 bis 250 ml destilliertes Wasser + 2 ml Alkohol 70 – 96%
Anwendung: 2 bis 4x täglich.

Arterielle Hypertonie: Bluthochdruck-Notfallöl

3 Tropfen Narde indisch
3 Tropfen Ylang Ylang extra
3 Tropfen Lavendel fein
- in 10 ml Jojobawachs (alternativ: Karottensamen, Sandelholz, Majoran)
- in 50 ml süßes Mandelöl oder Jojobaöl (für Massagen)
Anwendung: Morgens und abends den Bauch oder den ganzen Körper damit massieren.

Arterielle Hypertonie: Mischung 1

2 Tropfen Petit Grain Bitterorange oder Petit Grain Mandarine
1 bis 2 Tropfen Rose
7 Tropfen Bergamotteminze
5 Tropfen Zedernholz
- in 50 ml süßes Mandelöl oder Jojobaöl (für Massagen)
Anwendung: Morgens und abends den Bauch oder den ganzen Körper damit massieren.

Arterielle Hypertonie: Mischung 2

6 Tropfen Bergamotte
1 Tropfen Jasmin oder 2 Tropfen Ylang Ylang extra
4 Tropfen Sandelholz
- in 50 ml süßes Mandelöl oder Jojobaöl (für Massagen)
Anwendung: Morgens und abends den Bauch oder den ganzen Körper damit massieren.

Anti-Schmerz-Mischung 1: Neuralgie und Rheumatismus

40 Tropfen Majoran (Origanum majorana)
50 Tropfen Schafgarbe (Achillea millefolium)
30 Tropfen Thymian (Thymus vulgaris Ct. Thymol)
40 Tropfen Basilikum (Ocimum basilicum Ct. Linalool)
40 Tropfen Lavendel fein (Lavandula angustifolia)
- in einer Konzentration von 10% in 100 ml Johanniskrautöl
Anwendung (traditionell): Neuralgien, Weichteilrheumatismus, Ischias-Neuralgie sowie allgemein lokale Schmerzen und Entzündungen (Mills S., Bone K., 2000).

Anti-Schmerz-Mischung 2: Nächtliche Schmerzbekämpfung

60 Tropfen Ingwer (Zingiber officinalis)
40 Tropfen Zimtblätter (Cinnamomum zeylanicum)
20 Tropfen Römische Kamille (Anthemis nobilis)
20 Tropfen Patchouli (Pogostemon patchouli)
60 Tropfen Lavendel fein (Lavandula angustifolia)
- in einer Konzentration von 10% in 100 ml Johanniskrautöl
Anwendung: Besonders geeignet zur Schmerzbekämpfung in der Nacht.

Wundheilungsmischung

20 Tropfen Deutsche Kamille (Matricaria recutita)
20 Tropfen Cistrose (Cistus ladaniferus)
20 Tropfen Immortelle (Helichrysum italicum)
80 Tropfen Thymian (Thymus vulgaris Ct. Thujanol)
60 Tropfen Speiklavendel (Lavandula latifolia)
- in 80 ml süßes Mandelöl + 20 ml Johanniskrautöl
Anwendung: 1x täglich

Menstruationsbeschwerden, prämenstruelles Syndrom (PMS): Aromaöl-Mischung (1,5%)

4 Tropfen Mandarine (Citrus reticulata)
2 Tropfen Grapefruit (Citrus paradisi)
3 Tropfen Ylang Ylang (Cananga odorata)
2 Tropfen Muskatellersalbei (Salvia sclarea)
4 Tropfen Sandelholz (Santalum album)
- in 50 ml süßes Mandelöl
Anwendung: 2 bis 4x täglich sanft am Unterbauch und im Lendenwirbelbereich einmassieren.

Koliken, Blähungen: Aromaöl-Mischung (1%)

5 Tropfen Anis (Pimpinella anisum)
5 Tropfen Kreuzkümmel (Cuminum cyminum)
5 Tropfen Fenchel süß (Foeniculum vulgare)
5 Tropfen Koriander (Coriandrum sativum)
- in 100 ml Sesamöl
Anwendung: 1 bis 3x täglich als sanfte Bauchmassage in Darmrichtung einmassieren oder als warme Ölkompresse auflegen.

Vertiefung

Literatur & Quellen

  1. Österreichische Gesellschaft für wissenschaftliche Aromatherapie und Aromapflege (ÖGwA)