Ganzheitsmedizin
Was ist Ganzheitsmedizin?
Ganzheitsmedizin betrachtet den Menschen als Einheit von Körper, Geist und Seele – und bezieht Lebensumfeld, Beziehungen und Ressourcen in Diagnose und Therapie ein. Sie setzt neben notwendigen schulmedizinischen Schritten, evidenzbasierte Verfahren aus traditioneller oder naturheilkundlicher Medizin (z. B. TCM od. Phytotherapie) ein.
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Ein ganzheitlicher Blick
Ganzheitsmedizin blickt über den Tellerrand der konventionellen Medizin hinaus. Sie widmet sich dem Menschen in seiner Gesamtheit – Körper, Geist und Seele – im Kontext der Umwelt.
Sie berücksichtigt neben körperlichen Befunden auch psychische, soziale, lebensstilbezogene und – je nach medizinischem Ansatz – weitere individuelle und kulturelle Faktoren. Sie verbindet, wo sinnvoll und wissenschaftlich vertretbar, unterschiedliche medizinische Verfahren und richtet die Behandlung am individuellen Menschen und seinen Bedürfnissen aus.
Ein wesentlicher Anspruch einer ganzheitlich ausgerichteten Medizin kann dabei die Ursachenorientierung sein: Nicht nur Symptome sollen gelindert oder „gemanagt“ werden, sondern nach Möglichkeit zugrunde liegende Ursachen, Auslöser und aufrechterhaltende Faktoren erkannt und behandelt werden.
Ganzheitsmedizinische Verfahren aus evidenzbasierter Naturheilkunde und traditionellen Medizinsystemen sind in der regel gut verträglich und nebenwirkungsarm.
Sie ist kein Fachgebiet neben oder in Opposition zur konventionellen Medizin, sondern eine ganzheitliche Integration innerhalb der Medizin selbst. Valide Methoden aus verschiedenen Traditionen und Forschungsrichtungen gelten als wertvolle Ressourcen.
Evidenzbasiert und patientenzentriert
Die GAMED versteht Ganzheitsmedizin dezidiert evidenzbasiert: Reproduzierbarkeit im Rahmen von Studien, die Erfahrung der Ärztin oder des Arztes und der Wunsch der Patientinnen und Patienten bilden gemeinsam die Grundlage guter Entscheidungen.
Ziel ist eine seriöse, nachvollziehbare Versorgung – für die Ärzteschaft, alle Gesundheitsberufe und die Bevölkerung.
Aspekte der Ganzheitsmedizin
Prävention
Ein wesentlicher Bestandteil der Ganzheitsmedizin ist die Prävention. Ziel ist es, gesundheitliche Beeinträchtigungen möglichst frühzeitig zu erkennen und der Entstehung von Erkrankungen entgegenzuwirken. Dabei stehen eine gesundheitsfördernde Lebensweise, regelmäßige Vorsorge sowie die frühzeitige Berücksichtigung individueller Risikofaktoren im Mittelpunkt.
Regenerationsmedizin und Selbstheilungskräfte
Die Ganzheitsmedizin legt großen Wert auf die Unterstützung der körpereigenen Regulations- und Regenerationsprozesse. Der Körper verfügt über vielfältige Mechanismen zur Anpassung, Regeneration und Erhaltung des gesundheitlichen Gleichgewichts. Besonders bei chronischen Erkrankungen kann es sinnvoll sein, diese körpereigenen Ressourcen ergänzend zu medizinischen Maßnahmen zu berücksichtigen und zu fördern.
Förderung der Eigenverantwortung
Ein weiterer zentraler Aspekt ist die aktive Beteiligung des Menschen an der Erhaltung seiner Gesundheit. Durch verständliche Information, Beratung und Motivation soll der Patient dazu befähigt werden, gesundheitsfördernde Entscheidungen im Alltag zu treffen. Ärzte und Therapeuten übernehmen dabei nicht nur eine beratende, sondern auch eine unterstützende und motivierende Rolle. Ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Behandelnden und Patienten kann die Bereitschaft zu einer nachhaltigen Veränderung der Lebensweise fördern.
Ganzheitliches Konzept
Die zunehmende Spezialisierung innerhalb der Medizin bringt eine Vielzahl unterschiedlicher Fachbereiche, Untersuchungen und Behandlungsmöglichkeiten mit sich. Ein ganzheitlicher Ansatz versucht daher, die verschiedenen Befunde und Empfehlungen zusammenzuführen und aufeinander abzustimmen. Da im Körper alles systemisch interagiert, werden bei der Ganzheitsmedizin alle Befunde und Themen in die therapeutischen Überlegungen einbezogen. Neben medizinischen Therapien werden auch Faktoren wie Ernährung, Bewegung, Körperhaltung, Schlaf, Stressmanagement, Entspannung und die persönliche Lebenssituation berücksichtigt.
Better Aging und Lebensqualität
Beim „Better Aging“ geht es nicht darum, das Altern zu verhindern („Anti-Aging“), sondern darum, möglichst lange gesund, beschwerdefrei und selbstbestimmt zu leben. Österreich verfügt zwar über ein leistungsfähiges Gesundheitssystem und eine überdurchschnittlich hohe Lebenserwartung, gleichzeitig liegt die Zahl der in guter Gesundheit verbrachten Lebensjahre unter dem EU-Durchschnitt. In Österreich können Menschen derzeit nur knapp 60 gesunde und beschwerdefreie Lebensjahre erwarten. Ein wichtiges Ziel der Gesundheitsförderung sollte daher sein, die Zahl der gesunden Lebensjahre zu erhöhen und damit nicht nur die Lebensdauer, sondern vor allem die Lebensqualität zu verbessern. Wie es treffend formuliert wurde: „Es kommt nicht darauf an, dem Leben mehr Jahre zu geben, sondern den Jahren mehr Leben zu geben.“ (Alexis Carrel)
Hilfe zur Selbsthilfe
Information und Gesundheitskompetenz bilden eine wichtige Grundlage für die Eigenverantwortung. Menschen sollen lernen, ihren eigenen Körper bewusster wahrzunehmen, gesundheitliche Veränderungen frühzeitig zu erkennen und entsprechend darauf zu reagieren. Die Vermittlung von Wissen über Ernährung, Bewegung, Stress, Erholung und andere gesundheitsrelevante Faktoren kann dazu beitragen, die Selbstständigkeit im Umgang mit der eigenen Gesundheit zu stärken.
Individualmedizin
Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der individuellen Betrachtung des Menschen. Medizinische Studien liefern wichtige Erkenntnisse über durchschnittliche Wirkungen und Risiken, können jedoch die individuellen Unterschiede zwischen einzelnen Menschen nur begrenzt abbilden. Faktoren wie Alter, genetische Voraussetzungen, Lebensweise, Ernährung, Vorerkrankungen, persönliche Empfindlichkeiten und psychische Belastungen können die Gesundheit und die Wirkung von Maßnahmen beeinflussen. Daher sollte die Beratung und Behandlung möglichst an die individuellen Bedürfnisse und Lebensumstände des jeweiligen Menschen angepasst werden.
Salutogenese und Gesundheitsorientierung
Während die klassische Medizin häufig von der Diagnose einer Krankheit ausgeht, richtet die Salutogenese den Blick stärker auf die Entstehung und Erhaltung von Gesundheit. Dabei wird gefragt, über welche persönlichen und sozialen Ressourcen ein Mensch verfügt und welche Faktoren seine Gesundheit stärken. Auch individuelle Bedürfnisse, Ziele, Lebensumstände und persönliche Entwicklung können in die Betrachtung einbezogen werden. Dadurch verschiebt sich der Fokus von der reinen Krankheitsbehandlung hin zu einer umfassenderen Gesundheitsförderung.
Psychosomatik und psychische Phänomene, die zu körperlichen Erkrankungen führen können
Die ACE (Adverse Childhood Experiences)-Forschung untersucht den Zusammenhang zwischen belastenden Kindheitserfahrungen und der körperlichen sowie psychischen Gesundheit im Erwachsenenalter. Sie zeigt, dass gesundheitliche Belastungen im späteren Leben auch im Kontext früher Lebensbedingungen betrachtet werden sollten.
ACE-Studie – traumatische Kindheitserfahrungen und Gesundheit
Die ACE-Studie zeigt, dass belastende und traumatische Erfahrungen in der Kindheit – etwa Missbrauch, Vernachlässigung, Gewalt oder ein instabiles familiäres Umfeld – mit einem erhöhten Risiko für gesundheitliche Probleme im späteren Leben verbunden sind. Je mehr solcher belastenden Erfahrungen eine Person erlebt, desto höher ist nach den Studienergebnissen tendenziell das Risiko für körperliche und psychische Erkrankungen, darunter Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Krebs und chronische Lungenerkrankungen. Als möglicher Zusammenhang wird unter anderem eine langfristige Überaktivierung der Stressreaktion („toxischer Stress“) diskutiert, die unter anderem das Immunsystem, die Stressregulation und die körperliche Entwicklung beeinflussen kann.
Studienlage naturheilkundlicher Verfahren
Der Vortrag von Univ.-Prof. Dr.med. Andreas Michalsen. zeigt, wie Methoden wie Ernährungstherapie, Fasten, Bewegung, Phytotherapie und Mind-Body-Medizin insbesondere bei chronischen Erkrankungen eingesetzt werden können. Anhand wissenschaftlicher Studien wird die Wirksamkeit dieser Verfahren unter anderem bei Diabetes Typ 2, Bluthochdruck, rheumatischen Erkrankungen und chronischen Schmerzen beleuchtet. Dabei steht nicht die Alternative zur konventionellen Medizin im Mittelpunkt, sondern die sinnvolle Verbindung beider Ansätze im Rahmen einer integrativen Medizin. Ziel ist eine ganzheitliche und wissenschaftlich fundierte Versorgung, die Menschen mit chronischen Erkrankungen wirksam unterstützen kann.
Vortrag für Evidenzbasierte Ganzheitsmedizin und die klinische Versorgung bei vielen chronischen Erkrankungen
