Begriffe und Methoden
Shiatsu
Shiatsu ist eine ganzheitliche Form der manuellen Körperarbeit aus Japan, die mit gezieltem Druck, Dehnungen und Rotationen das energetische Gleichgewicht fördern soll.
Shiatsu ist eine eigenständige, in sich geschlossene Form der manuellen, ganzheitlichen Körperarbeit. Basierend auf dem fernöstlichen Wissen über die einheitliche dynamische Ordnung als universelles Prinzip, orientiert sich Shiatsu an der Lehre der Fünf Elemente (Wandlungsphasen), dem Prinzip von Yin und Yang, Kyo und Jitsu und dem Prinzip von Mu (Wu Wei). Diese Erkenntnisse sind Grundlage sowohl für die diagnostische Herangehensweise wie auch für die Shiatsu-Behandlung.
Das Ziel von Shiatsu ist der Ausgleich und die Wiederbelebung des vitalen Potentials, die Aufrechterhaltung und Stärkung der Körper-Seele-Geist-Einheit, welche den Energiefluss harmonisiert. Shiatsu aktiviert die Selbstheilungskräfte des menschlichen Organismus und wirkt auf diese Weise der Entstehung von Disharmoniemustern (Ungleichgewichte von Yin und Yang) entgegen (prophylaktische Wirkung). Grundlage von Shiatsu ist die fernöstliche energetische Diagnostik (Bo-Shin, Setsu-Shin, Mon-Shin, Bun-Shin), deren Ziel es ist, mit Hilfe von Meridian-, Hara-, Rücken-, Zungen-, Gesichts-, Pulsdiagnostik etc. und dem Gesamterscheinungsbild des Klienten ein bestehendes energetisches Muster zu erkennen.
Geschichte
Der Ursprung von Shiatsu liegt in fernöstlichen Heilweisen, die auf der Vorstellung einer dynamischen Lebensenergie beruhen. Der japanische Begriff Shiatsu setzt sich aus Shi für Finger und Atsu für Druck zusammen.
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verbanden sich fernöstliche Philosophie und traditionelles medizinisches Erfahrungswissen mit westlichen Ansätzen und Techniken, unter anderem aus Physiotherapie, Massage und Psychologie. Aus dieser Verbindung entwickelte sich Shiatsu als eigenständige Behandlungsform. Heute werden auch Kombinationen mit anderen westlichen Körperarbeitsmethoden praktiziert.
Methoden und Anwendung
Shiatsu wird überwiegend am Boden auf einer Matte oder einem Futon ausgeführt. Die Behandlung erfolgt je nach Vorgehensweise in direktem Hautkontakt oder durch die Kleidung und grundsätzlich ohne zusätzliche Hilfsmittel.
Der Druck wird mit Händen, Daumen, Fingern, Handballen, Ellbogen, Knien oder Füßen ausgeübt. Dabei wird das eigene Körpergewicht eingesetzt, um einen stabilen, senkrechten oder bewegten Druck aus der Körpermitte, dem sogenannten Hara, zu erzeugen. Druckstärke, Intensität und Dauer werden an die individuellen Bedürfnisse und die jeweilige energetische Verfassung des Klienten angepasst.
Bei der Behandlung werden Meridiane und bestimmte Punkte, sogenannte Tsubos, stimuliert. Zum Einsatz kommen unter anderem die 14 klassischen Meridiane und die zwölf Masunaga-Meridiane. Weitere Techniken sind:
- Zwei-Hände-Technik
- Tonisierung und Sedierung
- Makko-ho-Meridiandehnungen
- Rotationen und Schaukeltechniken
- Do-In-Übungen
Die Behandlung orientiert sich an der Einheit von Körper, Geist und Seele und wird individuell gestaltet.
Wirkungsweise
Im traditionellen Verständnis sollen Druck auf Meridiane und Tsubos sowie die Behandlung von Gelenken, Muskeln und Sehnen energetische Blockaden lösen und den Energiefluss fördern. Shiatsu wird zudem eine ausgleichende Wirkung auf das autonome Nervensystem zugeschrieben, insbesondere über den Parasympathikus. Dadurch sollen sowohl Beruhigung und Entspannung als auch Aktivierung ermöglicht werden.
Shiatsu soll die innere Balance unterstützen und Regenerations-, Wachstums- und Reifungsprozesse begleiten. Es kann Menschen auch in schwierigen Lebensphasen sowie bei Übergängen zwischen verschiedenen Lebensabschnitten unterstützen, beispielsweise während der Pubertät, der Lebensmitte, der Menopause oder im Alter.
Indikationen
Shiatsu wird insbesondere zur Gesundheitsvorsorge und zum Ausgleich energetischer Disharmonien eingesetzt. Es kann in Abstimmung mit dem jeweiligen Fachpersonal begleitend zu Psychotherapie, Physiotherapie oder schulmedizinischen Behandlungen sowie zur Regeneration und Rehabilitation nach Unfällen oder Erkrankungen angewendet werden.
Als weitere Anwendungsbereiche werden beruflicher und sozialer Stress, Verspannungen und Beeinträchtigungen des allgemeinen Wohlbefindens genannt. Shiatsu soll die Funktionen des vegetativen Nervensystems unterstützen, darunter Atmung, Verdauung, Schlaf, Blutkreislauf und Menstruation, und sich positiv auf den Bewegungsapparat auswirken. Bei bestimmten Schmerzformen kann es nach vorheriger Abklärung der Ursache eingesetzt werden. Darüber hinaus fördert Shiatsu Körperbewusstsein und Achtsamkeit.
Nach der Einnahme starker Medikamente, Alkohol oder Drogen sowie bei Zuständen geistiger Verwirrung ist Shiatsu kontraindiziert. Besondere Umstände wie Schwangerschaft, Diabetes, Krampfadern oder eine psychiatrische Behandlung müssen bei der Wahl und Durchführung der Behandlung berücksichtigt werden. Gegebenenfalls sind die Zusammenarbeit mit medizinischen Fachpersonen oder eine Überweisung an entsprechende Spezialisten erforderlich.
