Begriffe und Methoden
Traditionelle Japanische Medizin (Kampo)
Kampo ist eine traditionelle japanische Medizinform, die sich aus der Traditionellen Chinesischen Medizin entwickelt hat und insbesondere auf pflanzlichen und mineralischen Arzneimittelrezepturen beruht.
Die Traditionelle Japanische Medizin stellt eine Sonderform und Weiterentwicklung der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) dar. Sie wird als Kampo bezeichnet und umfasst insbesondere die traditionelle sino-japanische Phytotherapie, bei der pflanzliche und mineralische Substanzen zur Behandlung von Krankheiten eingesetzt werden.
Kampo war und ist neben der Akupunktur ein Bestandteil der traditionellen Medizin, die Ärztinnen und Ärzten in China, Japan und Korea zur Behandlung von Patientinnen und Patienten zur Verfügung stand und steht. In Japan sind derzeit rund 200 Rezepturen und die dazugehörigen Einzeldrogen in das Gesundheitswesen integriert. Die Kosten einer Behandlung mit diesen Rezepturen werden von den Versicherungsträgern übernommen.
Die Rezepturen bestehen aus mindestens zwei bis 15, in seltenen Fällen auch mehr Einzeldrogen, die in einem bestimmten Mischungsverhältnis kombiniert werden. Die verwendeten Drogen sind überwiegend pflanzlicher Herkunft; ein geringerer Anteil ist tierischen oder mineralischen Ursprungs.
Geschichte
Die Traditionelle Chinesische Medizin gelangte über Korea nach Japan. Die ersten schriftlichen Überlieferungen reichen bis ins 6. Jahrhundert zurück. Durch Einflüsse anderer asiatischer medizinischer Traditionen, insbesondere der indischen Medizin, wurde das medizinische Wissen in Japan erweitert.
Während der japanischen Isolation entwickelte sich daraus eine eigenständige Medizintradition, die unter dem Namen Kampo bekannt wurde. Im 18. Jahrhundert prägten zwei bedeutende Schulen diese Entwicklung:
- Die Schule nach Todo Yoshimasu (1702–1773): Yoshimasu entwickelte einen Zugang, der als homöopathieähnlich beschrieben wird.
- Die Schule nach Toyo Yamawaki (1705–1762): Yamawaki beschäftigte sich insbesondere mit der Erforschung der Körperstrukturen durch Sektionen. Diese Methode war aufgrund des konfuzianischen Weltbildes kein offizieller Bestandteil der chinesischen Medizin. Zweifel an den anatomischen und physiologischen Vorstellungen der TCM trugen zur Entwicklung dieses Ansatzes bei.
In der Folge wurde die eigenständige japanische Medizintradition weiter ausgebaut und schloss auch die Entwicklung einer besonderen Form der Chirurgie ein.
Mit der Verbreitung der westlichen Medizin in Japan wurden traditionelle medizinische Verfahren zunehmend verdrängt. Im Jahr 1940 wurde an keiner japanischen Universität mehr Kampo unterrichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte ein Wandel ein: Heute bieten wieder zwölf Universitäten Ausbildungen im medizinischen und pharmazeutischen Bereich an und dienen zugleich als Forschungszentren.
In Österreich ist Kampo weitgehend unbekannt. Eine gewisse Bekanntheit besitzt Shiatsu, das im Zusammenhang mit der Weiterentwicklung manueller Massagetechniken aus dem asiatischen Raum steht. Spezialisierte wissenschaftliche Gesellschaften, die eine Ausbildung in Kampo anbieten, haben sich in Österreich bislang nicht etabliert.
Methoden und Anwendung
Die Kampo-Medizin basiert vor allem auf individuell zusammengestellten Arzneimittelrezepturen. In Japan werden derzeit rund 360 verschiedene Einzeldrogen in der täglichen Praxis verwendet. In China sind es mehr als 2.000; insgesamt sind etwa 5.000 Drogen bekannt.
Die Rezepturen werden traditionell als Dekokt zubereitet oder fertig abgepackt als Granulat angeboten. Dabei werden grundlegende Konzepte der chinesischen Medizin berücksichtigt:
- Ki (Chi): die Lebensenergie
- Yin und Yang: die beiden gegensätzlichen und sich ergänzenden Kräfte
- Fülle und Mangel beziehungsweise Leere
- Kälte und Hitze
- Innen und Außen
- Die sechs Krankheitsstadien: drei Yang- und drei Yin-Stadien
- Die fünf Elemente: Feuer, Wasser, Erde, Holz und Metall
Im Unterschied zur Homöopathie, bei der sogenannte Dilutionen in Form von Potenzierungen verwendet werden, kommen die Arzneimittelrezepturen der Kampo-Medizin im Grammbereich zum Einsatz.
